SCHLEPPNETZE

Was ist ein Schleppnetz ?
Schleppnetze weisen große Unterschiede zu den in den vergangenen Jahren im Kreuzfeuer der Kritik geratenen Treibnetzen auf. Die Verwendung von Treibnetzen ist stark reglementiert und werden in Europa ab 2002 verboten sein.
Ein Schleppnetz hat die Form eines Trichters und wird mehrere Stunden lang von einem oder zwei Schiffen mit einer Geschwindigkeit von 3 Knoten (ca. 5 km/Std.) durch das Wasser gezogen.Die in Frankreich verwendeten Schleppnetze haben eine Öffnung von 50 bis 70 m Höhe und 80 m Breite und sind ca. 150 m tief. Diese Netze werden zwischen Wasseroberfläche und Meeresgrund in einer Tiefe von ca. 50 bis 180 m, manchmal 400 bis 600 m geschleppt.
In dem Golf von Biscaya werden Schleppnetze bereits seit 20 Jahren zum Fischfang eingesetzt (Anschovis, Merlan, Makrele, Hering, Sardelle, Wolfsbarsch, Dorade, Thunfisch). Im Mittelmeer werden Schleppnetze im wesentlichen zum Fang von Anschovis und Sardellen verwendet.
Schleppnetze werden hauptsächlich von Franzosen, Spaniern, Engländern, Irländern und Holländern eingesetzt.
Die Fangschiffe sind im Durchschnitt 220 Tage pro Jahr auf See. Sie Fangen 10 bis 12 Stunden pro Tag, also ca. 2500 Stunden pro Jahr, die Hälfte davon im Schleppbetrieb. Bei einer Geschwindigkeit von 5 km/Std. wird so eine Strecke von 12.500 km zurückgelegt und bei einer Öffnungsbreite von 80m eine Fläche von 1.000 km² durchpflügt. Jahr für Jahr wird von den 160 französischen Schleppnetzen eine Fläche von 80.000 km² leer gefischt. Das bedeutet, daß innerhalb von 6 Jahren eine Fläche so groß wie Frankreich durchkämmt wird.
Sind Schleppnetze abzulehnen ?
Schleppnetze sind extrem effiziente Fanggeräte: 16% der französischen Fangschiffe, das sind 9,6% aller europäischen Schiffe, sind mit Schleppnetzen ausgerüstet und fangen ca. 80% der in den französischen Häfen gelöschten Fangmengen.
Somit sind Schleppnetze verantwortlich :
- für die Überfischung der Fischbestände,
- für den Qualitätsverlust (Nährwert, Geschmack, Hygiene) der Fisch, die zuerst Stundenlang im Schleppnetz zerdrückt und anschließend für Wochen tiefgefroren werden,
- für den Verfall der Fischkurse (Allerdings werden diese Kurse bei fortschreitender Erschöpfung der Fischbestände wieder ansteigen)
Schleppnetze arbeiten nicht selektiv: Alles auf dem Weg befindliche wird unterschiedslos eingesammelt.
Somit sind Schleppnetze verantwortlich für den drastischen Rückgang der Bestände :
- weil Zehntausende von Tonnen Fisch wieder ins Meer geworfen werden (untermaßige Fische, unerwünschte Fischarten oder Fischartengemisch das aus Zeitmangel nicht sortiert werden kann). 10 bis 80% der Schleppnetzinhalte werden so über Bord geworfen,
- weil die Brut zahlreicher Fischarten gefangen wird und deren Regeneration somit behindert wird,
- weil in alles Tiefen gefischt wird und es somit für Brut oder Elternfische keine Schongebiete mehr gibt,
- weil zahlreiche geschützte Arten, wovon jährlich mehrere Tausend Delphine, eingefangen werden.
Sind Schleppnetze erlaubt ?
Schleppnetze verletzen französische sowie europäische Gesetze :
- Im Mittelmeer verfügen die Zugschiffe über eine Antriebsleistung, die 3 bis 4 mal so hoch liegt, als nach EU Gesetzen erlaubt,
- Die Fangquoten werden häufig umgangen (EG-Verordnung Nr. 850/98 zur Erhaltung der Fischereiressourcen, Ministerbeschluß vom 04.11.1970, EWG-Richtlinie Nr. 92/43 des Rates vom 21.05.1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensraume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen, Vorsichtsprinzip: Amsterdamer Vertrag und UNO-Verhaltensregeln, EWG-Verordnung Nr. 3760/92 zur Einführung einer gemeinschaftlichen Regelung für die Fischerei und die Aquakultur, Fischereigesetz Nr. 97-1051 vom 18.11.97),
- Schleppnetze werden häufig in der verbotenen 3-Meilen-Zone eingesetzt
Bedeutung des Lobbyismus ?
Die Reeder großer Schleppnetzfangschiffe werden durch Subventionen zu Lasten kleiner Betriebe begünstigt.
Europäische Subventionen werden bezahlt :
- für die Anschaffung großer Schiffe,
- für Ausrüstungen auf großen Schiffen (Verarbeitungsanlagen, Kräne, usw.),
- für ein gleichbleibend niedrigen Preisniveau (Fische aus Schleppnetzen, die oft zu stark beschädigt sind, um verkauft werden zu können, gehören oft in diese Kategorie),
- für Fischversteigerungen, die zu 80% vom Fischfang mit Schleppnetzen abhängig sind,
- für Fischgroßhändler, die zu 80% mit Fisch aus dem Schleppnetzfang handeln.
Ziele ?
Aufgrund dieser ernsten Lage fordern wir :
- einen vorläufigen Stop der Verwendung von Schleppnetzen in Übereinstimmung mit dem Vorsichtsprinzip vorzuschlagen,
- das gesamte System der Subventionen für die Betreiber von Schleppnetzen und der zerstörerischsten Ausrüstungen in Frage zu stellen,
- Forschungsprojekte über die Auswirkungen dieser Fangausrüstungen auf Ökosysteme, Fischbestände und Beschäftigung voranzutreiben, wobei diese Forschung von unabhängigen, privaten Forschungsinstituten durchzuführen sind.
Wenn Schleppnetze mit mehreren Tonnen Fisch hochgezogen werden, haben die Fischer keine andere Wahl als die unabsichtlich mitgefangenen Meeressäuger wieder über Bord zu werfen, denn es handelt sich ja um geschützte Tierarten. Ein Delphin wiegt ca. 100 kg. Wegen seiner glatten, glitschigen Haut kann er nicht gegriffen werden. Deswegen wird er mit einem Hebezug und einer Leine an der Schwanzflosse angehoben. Um den Delphin wieder ins Meer zu werfen wird bestenfalls die Leine gekappt oder die Schwanzflosse abgeschnitten. Gestrandete tote Delphine tragen fast immer typische Verletzungen und Spuren ihres Fanges: Leine an der Schwanzflosse, abgeschnittene Schwanzflosse oder von Leinen eingeschnittene Fleischwunden. Mehrere tausend Delphine werden jährlich auf diese Weise abgeschlachtet.

Um keine Beweise einer Tötung durch den Fang in Schleppnetzen zu hinterlassen, verlangen die Reeder seit einigen Monaten von ihren Mannschaften, die Leinen vom Körper toter Delphine zu entfernen und die Schwanzflossen nicht mehr abzuschneiden. Außerdem werden die Tiere aufgeschlitzt damit die sich nach dem Tod bildende Gase entweichen können und ihre Körper nicht an die Wasseroberfläche bringen. Es bleiben jedoch Fangspuren, die nicht beseitigt werden können: Bei ihrem Kampf um aus dem Treibnetz zu entkommen, ziehen sich die Tiere Verletzungen an Maul und Körper zu, bevor sie ertrinken.




